Monat: Dezember 2013

Ironie des Schicksals

„Wie alt sind Sie? 32, 33?“
„34.“
„34? Und noch keine Familie. Hat sich nicht ergeben. Sie haben kein Glück gehabt, das kommt vor.“

Was in Deutschland „Der kleine Lord“ oder „Weihnachten bei Hoppenstedts“ ist, ist in Russland der Film „Ironija sudby ili S ljochkim parom“ (Ironie des Schicksals oder Mit leichtem Dampf) aus dem Jahr 1975; ein Film, in dem es um die Neujahrsnacht geht und der Jahr ein, Jahr aus zu dieser Zeit gezeigt wird. Man sollte natürlich noch dazu sagen, dass Silvester bzw. Neujahr in der Sowjetunion anstatt Weihnachten gefeiert wurde, da alles Religiöse ja verboten war.

In der dreistündigen romantischen Komödie, die eigentlich aus zwei Teilen besteht, geht es um eine klassische Verwechslung. Einige Freunde treffen sich in einer Moskauer Banja, um Silvester zu feiern. Es wird Bier und Wodka getrunken bis alle schließlich betrunken sind. Das alte Jahr in der Banja ausklingen zu lassen ist ein alter russischer Brauch, um das neue Jahr sauber zu empfangen. Ein wichtiges Utensil für den Saunagang ist der Wenik („Saunarute“).

Später fahren die vier betrunkenen Freunde zum Flughafen, da einer der Freunde am selben Abend nach Leningrad fliegen soll. Zwei der Freunde, darunter der Held des Films Schenja, schlafen, bedingt durch den übermäßigen Alkoholkonsum, ein und sind nicht mehr wach zu bekommen. Die übrigen Freunde können sich nicht erinnern, wer von beiden das Flugzeug besteigen sollte. Irrtümlicherweise wird so der völlig betrunkene Held anstelle seines Freundes ins Flugzeug nach Leningrad gesetzt.

Er erwacht am Leningrader Flughafen in dem Glauben, nach wie vor in Moskau zu sein, und nimmt ein Taxi, um nach Hause zu fahren. Er nennt dem Taxifahrer seine Adresse („3. Straße der Bauarbeiter“, Haus 25, Wohnung 12) und dieser fährt los. Es stellt sich heraus, dass es in Leningrad eine Straße gleichen Namens gibt. Zudem sieht das Neubaugebiet, in das das Taxi Schenja bringt, genau so aus, wie das in Moskau. Dies ist natürlich ein ziemlich zynischer Seitenhieb auf die sowjetische Architektur dieser Zeit, der darauf abzielt, dass die Bauten und Straßennamen überall in der Sowjetunion uniform waren. Auch passt Schenjas Schlüssel zu der fremden Wohnung, die er, immer noch völlig betrunken, für seine eigene hält. Auch die sozialistische Standard-Inneneinrichtung ähnelt der seiner Moskauer Wohnung, sodass dieser seinen Irrtum nicht bemerkt und sich schlafen legt.

Kurz darauf kommt Nadja, die weibliche Hauptfigur des Films, die in der Wohnung lebt, nach Hause und findet den ihr völlig unbekannten Mann in ihrem Bett. Sie hält ihn für einen Einbrecher und versucht ihn zu vertreiben. Da er im Schlaf nur abweisend reagiert, weckt sie ihn unsanft mit einem Krug voller Wasser. Bevor sie diesen davon überzeugen kann, dass er sich in einer fremden Wohnung befindet und gehen sollte, klingelt Nadjas Verlobter Ippolit an der Tür. Ippolit verdächtigt Nadja, ihn betrogen zu haben und stürmt empört davon. Es folgen Kommen und Gehen dieser Figuren, Streit, Ärger, Eifersucht und Liebe, all das gepaart mit der sentimentalen und festlichen Silvestermelancholie. Und natürlich ein Happy End.

Alles in allem ist es ein überaus amüsanter, wenn auch stellenweise etwas langatmiger, vor langen Nahaufnahmen der Hauptdarseller und ihrer seelischen Kämpfe triefender Film, der von der komödiantisch einzigartigen Darstellung von Andrei Mjagkow, dem Hauptdarsteller, lebt. Die Hauptdarstellerin Barbara Brylska war eigentlich eine polnische Schauspielerin, die im Film synchronisiert wurde. Ganz großartig ist auch die Musik, die in den meisten Fällen Teil der Handlung ist, also von einer der Figuren gesungen wird. Der zweite Originaltitel des Films,“Mit leichtem Dampf!“, ist eine im deutschen Sprachraum ungebräuchliche Gratulationsformel, die man sich nach dem Dampfbad wünscht.

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